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Welche Ziele verfolgt Facebook wirklich mit Libra?

Mit Libra will Facebook nicht nur eine weltweite Kryptowährung etablieren, sondern auch ein offenes System zur digitalen Identifizierung installieren - doch Kritiker melden Zweifel an!

Facebook hatte im Juni seine Pläne für ein Blockchain-System namens "Libra" vorgestellt. Der Großteil der Aufmerksamkeit richtete sich anschließend auf die Kryptowährung Libra, die auf der neuen Blockchain laufen soll (wir berichteten hier).

In einem der von Facebook dazu veröffentlichten Dokumente versteckte sich allerdings noch eine weitere Information, die sich als ebenso wichtig wie die Währung erweisen könnte.

Und vielleicht sogar als wichtiger: Ein wichtiges Ziel der von Facebook ins Leben gerufenen Libra Association ist die Nutzung von Libra, um das Konzept der digitalen Identität zu revolutionieren.

Die entscheidende Passage findet sich fast am Ende eines Dokuments: "Ein weiteres Ziel der Association ist, einen offenen Identitätsstandard zu entwickeln und zu fördern. Wir glauben, dass eine dezentralisierte und portable digitale Identität eine Grundvoraussetzung für finanzielle Inklusion und Wettbewerb ist."

Was aber ist eine "dezentralisierte und portable digitale Identität"? Theoretisch müsste diese Identität eine Möglichkeit bieten, nicht mehr einer einzelnen, zentralen Instanz zu vertrauen, um unsere digitale Legitimation zu verifizieren und zu pflegen. Für Internet-Nutzer würde das bedeuten, dass sie sich nicht mehr auf Logins von Facebook oder Google verlassen müssen, sondern sie selbst besitzen und kontrollieren diese.

Aber das System ist ziemlich riskant, weil es auf einer zentralen Instanz basiert, sagt Christopher Allen, Co-Vorsitzender der Credentials Community Group im World Wide Web Consortium. Einem einzelnen Anbieter diese Verantwortung zu überlassen, ist gefährlich, weil sein System versagen oder er pleite gehen könnte. Zudem kann Facebook Konten nach Belieben stornieren. Auf der anderen Seite lässt sich schwer sagen, wie dezentralisiert das Libra-Identitätssystem wirklich sein wird.

Ein besonderes Problem bei Identität stellt laut Allen vom W3C die Tatsache dar, dass private Schlüssel kaum wiederherzustellen sind, wenn sie verloren oder vergessen werden – und schon der alltägliche Umgang damit ist nicht einfach. Wer will sich mit so einem komplexen und wichtigen Vorgang richtig beschäftigen - bzw. wer kann das?

Eine weitere Herausforderung hat mit Datenschutz zu tun. Wie sollen Daten zur persönlichen Identifizierung von Finanztransaktionen getrennt gehalten werden? Angesichts von Facebook wenig überzeugender Geschichte beim Thema Privatsphäre ist dies für Datenschützer ein besonders heikler Punkt. Und eine Abneigung gegen finanzielle Überwachung ist ein wichtiges Merkmal der Kryptowährungsbewegung.

 

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